Das Böse als parasitäre Macht – Ein Versuch, Mechanismus und Verantwortung zu verstehen

Das Böse ist kein Mythos, sondern ein parasitärer Mechanismus in Menschen, Beziehungen und Systemen. Dieser Essay beschreibt seine Formen – von inneren Schatten bis zu struktureller Gewalt – und fragt, wie Widerstand trotz Verwundbarkeit möglich bleibt.

„Francis Bacons deformierter Schrei-Papst im violetten Raum, entstelltes Gesicht im lautlosen Schrei, umgeben von dunklen vertikalen Linien.
Study after Velázquez's Portrait of Pope Innocent X, (Francis Bacon, 1953) – Bacons verzerrter Papst: ein lautloser Schrei, eine Figur im Zerfall. Ein Bild über Macht, Angst und das Böse, das sich von innen heraus zeigt.

Das Böse ist für mich keine abstrakte Idee. Es ist etwas, das in Körpern sitzt, in Biografien, in Institutionen. Es brennt sich ein in Nervensysteme, in Erinnerungen, in Gewohnheiten. Wer darüber schreibt, ohne ihm jemals wirklich begegnet zu sein, beschreibt es aus zweiter Hand. Wer ihm ausgesetzt war, trägt eine andere Verantwortung: nicht zu moralisieren, nicht zu jammern, sondern so klar wie möglich zu benennen, was da wirkt.

Der Satz „Das Böse existiert und zerstört sowohl gute als auch böse Menschen gleichermaßen“ kann leicht missverstanden werden. Er klingt zuerst, als würde er Opfer und Täter verwischen, als gäbe es keine Unterschiede mehr. Aber richtig gelesen ist er radikal: Er behauptet, dass keiner von uns grundsätzlich gefeit ist. Die Verwundbarkeit ist allgemein – niemand ist immun –, aber die Art und das Ausmaß der Zerstörung unterscheiden sich massiv. Es ist etwas anderes, ob jemand Gewalt ausübt, Gewalt erleidet oder Gewalt ermöglicht. Doch alle drei werden vom Bösen gezeichnet.

Das ist keine philosophische Spielerei. Es ist ein Versuch, das Böse nicht als dämonische Gestalt, sondern als Mechanismus zu verstehen – als etwas, das Muster hat, Einfallstore, Wirkketten. Und damit auch: Gegenmittel. Was folgt, ist keine moralische Predigt. Es ist eine Anatomie.


Der ontologische Kern: Mangel mit Zähnen

Wenn ich versuche zu verstehen, was das Böse ist, lande ich irgendwann bei zwei Ebenen: einer ontologischen und einer praktischen. Was ist es im Kern – und wie wird es wirksam?

In der klassischen christlichen Theologie, vor allem bei Augustinus, wird das Böse als privatio boni beschrieben: als Mangel am Guten, nicht als eigene Substanz. Dunkelheit ist nicht „etwas“, sondern das Fehlen von Licht; Kälte ist das Fehlen von Wärme. Entsprechend wäre das Böse kein eigenständiger Stoff, sondern ein Loch, ein Defizit.

Dieser Gedanke hat eine scharfe Konsequenz: Das Böse kann nichts Neues erschaffen. Es ist nicht kreativ. Es kann nur zerstören, entstellen, unterbrechen. Es braucht immer etwas Lebendiges, an das es sich heften kann: ein Bewusstsein, eine Beziehung, eine Institution. Ein Virus braucht eine Zelle, Rost braucht Metall. Das Böse braucht das Gute, um es zu korrumpieren. Deswegen hat es immer etwas Nihilistisches, etwas, das ins Nichts führt.

Wer aber echte Bosheit erlebt hat – Sadismus, bewussten Verrat, systematische Grausamkeit –, merkt schnell, dass dieser Mangelbegriff nicht reicht. Das Böse wirkt in der Welt nicht wie ein passives Loch, sondern wie etwas, das sich bewegt, plant, genießt. Es hat, so erlebt man es, eine Art Wille.

Der Versuch, beides zusammenzubringen, führt zu einem Kompromiss: Ontologisch bleibt das Böse ein Mangel. Aber es bekommt Agency, Wirkmacht, durch Träger: durch Menschen, Gruppen, Ideologien, Strukturen. Es nistet sich ein in unsere Motive, in unsere Sprache, in unsere Entscheidungsprozesse – und von dort aus handelt es. Neid an sich ist ein Gefühl, eine Spannung. In einem Menschen, der bereit ist, danach zu handeln, wird er zur Triebfeder für Sabotage und Rufmord. Gleichgültigkeit an sich ist nur Abwesenheit von Interesse. In einer Behörde, einem Krankenhaus, einem System wird sie zur Todesursache.

Das Böse ist also keine autonome Macht, kein „Teufel“ als Gegenpart zu Gott. Aber es ist auch kein bloßes Fehlen. Es ist ein Mangel, der parasitär wirkmächtig wird, indem er sich Träger sucht.

Wenn ich sage: „Das Böse zerstört gute wie böse Menschen gleichermaßen“, meine ich nicht, dass alle in derselben Weise oder im selben Maß zerstört würden. Was ich meine, ist: Niemand ist grundsätzlich außerhalb der Reichweite. Ein Sadist, der anderen Menschen bewusst Schaden zufügt, wird dadurch selbst innerlich leer, unfähig zu echter Bindung. Ein Opfer, das Gewalt erlebt, trägt Narben, die nie ganz verschwinden. Ein Mitläufer, der „nur“ wegsieht oder Befehle ausführt, verliert mit der Zeit die Fähigkeit, sich selbst zu achten. Die moralische Verantwortung ist extrem ungleich verteilt – aber das Berührtsein von etwas Zerstörerischem ist allen gemeinsam.

Damit verbunden ist eine Unterscheidung, die überlebenswichtig ist: die zwischen Kausalität und Schuld. Verletzlichkeit erklärt Exposition, aber sie begründet keine Mitschuld. Ein Kind, das missbraucht wird, ist verletzlicher – ausgeliefert, abhängig, unwissend. Das erklärt, warum es betroffen ist. Es rechtfertigt nichts. Wer mit Bindungsstörungen, hoher Scham, gestörter Grenzwahrnehmung ins Erwachsenenleben geht, hat ein höheres Risiko, erneut ausgenutzt zu werden. Auch das ist Kausalität, keine moralische Bewertung. Wo wir diese Ebenen verwechseln – „Warum bist du geblieben?“ statt „Warum hat er geschlagen?“ –, wird die Analyse selbst zum Werkzeug des Bösen.


Was wir uns über den Menschen erzählen: Alltagsmythen vom Bösen

Man kann die Frage, ob und wie das Böse in uns steckt, in jeder Bibliothek nachlesen. Man kann sie aber auch in Foren und Kommentarspalten beobachten. In einer typischen Online-Diskussion über „Menschennatur“ tauchen fast immer dieselben Bilder auf.

Da ist zunächst der optimistische Humanismus: die Überzeugung, der Mensch sei „im Kern gut“. Schlechte Taten seien das Ergebnis von Armut, fehlender Bildung, Missbrauch, falschen Systemen. Wenn nur die Umstände gut wären, so die Hoffnung, würden Menschen friedlich und gerecht miteinander leben. Diese Erzählung hat etwas Tröstliches. Sie sieht das Potenzial zur Empathie, das schon kleine Kinder haben; sie vertraut auf Entwicklung, auf Vernunft, auf Erziehung.

Ihr Gegenstück ist die Stimme der Enttäuschung. Jemand, der fünfzig, sechzig Jahre auf diese Welt zurückschaut, sagt dann: „Wenn wir Glück haben, ist es vielleicht fünfzig-fünfzig.“ Gemeint ist: Man hat zu viel erlebt. Verrat, Lügen, Bosheit, Zynismus. Man hat gesehen, wie schnell Menschen wegschauen, wenn Zivilcourage unbequem wird; wie oft Menschen bereit sind, andere zu opfern, wenn es den eigenen Vorteil sichert. Aus der Erfahrung, dass das Böse keine seltene Ausnahme ist, wird dann manchmal die These, der Mensch sei im Grunde schlecht.

Dostojewski ist vielleicht der große Chronist genau dieser Spannung. In den „Brüdern Karamasow“ prallen jene aufeinander, die an das Gute im Menschen glauben wollen, und jene, die an der Welt verzweifeln, weil sie zu viel Leid gesehen haben. Ivan Karamasows Revolte gegen einen Gott, der Leid zulässt, und Aljoschas Versuch, trotzdem an Liebe und Verantwortung festzuhalten, sind zwei Antworten auf dieselbe Erfahrung: Der Mensch ist fähig zu abgrundtiefer Grausamkeit – und gleichzeitig bleibt da dieses fast trotzig-leise Vermögen zu Mitgefühl. Dostojewski behauptet nie schlicht, der Mensch sei gut oder böse. Er zeigt, wie beides in denselben Gesichtern und Biografien wohnt.

Daneben gibt es das religiöse Bild vom „Bösen von Geburt an“. Im Judentum trägt es den Namen yetzer ha-ra, der „böse Trieb“, der neben dem „guten Trieb“ (yetzer ha-tov) in jedem Menschen präsent ist. Dieser „böse Trieb“ umfasst Sexualität, Ehrgeiz, Lust, Aggression – Kräfte, ohne die es keine Familien, keine Kultur, keinen Fortschritt gäbe. Die Aufgabe besteht darin, ihn zu kanalisieren, nicht zu vernichten. Darum die Betonung von Geboten, Regeln, Ritualen: nicht, weil der Mensch wertlos wäre, sondern weil seine rohe Energie Leitung braucht.

Im Christentum verschiebt sich der Akzent. Die Erbsünde beschreibt nicht nur Ambivalenz, sondern einen Bruch: der Mensch als von Gott getrenntes Wesen, von Natur aus sündig, angewiesen auf Gnade. Die positive Kehrseite: Es schützt vor Selbstgerechtigkeit, erinnert daran, dass niemand sich moralisch über andere erheben sollte. Die Schattenseite: Aus Vulnerabilität wird so ein metaphysischer Makel; Scham wird zur ontologischen Kategorie.

Und schließlich gibt es den moralischen Heroismus: die Vorstellung, „gute Menschen“ bräuchten gar keine Regeln. Wer innerlich aufrichtig sei, handle automatisch richtig; Gesetze seien im Grunde nur für „die Anderen“. Diese Haltung klingt nobel, passt aber schlecht zu dem, was wir aus Psychologie und Geschichte wissen. Die Experimente von Milgram, Zimbardo und anderen zeigen eindrücklich, wie gewöhnliche Menschen unter Autoritätsdruck, Gruppendruck und Rollenzuschreibungen zu Handlungen fähig sind, die sie im „Normalmodus“ vehement ablehnen würden. Die innere Haltung allein schützt nicht, wenn die äußeren Bedingungen destruktiv genug sind.

Alle diese Alltagsbilder fangen etwas Wahres ein. Der Optimismus erinnert uns daran, dass Menschen zur Güte fähig sind; der Pessimismus erinnert an die Tiefe der Zerstörungskräfte; die religiösen Narrative daran, dass wir mit Ambivalenzen leben müssen; der Heroismus daran, dass äußere Regeln ohne innere Haltung leer sind. Aber sie verwechseln empirische Ausschnitte mit metaphysischen Aussagen. Aus „Menschen können gut handeln“ wird „Menschen sind gut“. Aus „Menschen tun Schreckliches“ wird „Menschen sind böse“. Aus „manche Menschen handeln aus innerer Überzeugung richtig“ wird „wer gut ist, braucht keine Strukturen“.

Was mich mehr überzeugt, ist ein nüchternerer Satz: Der Mensch ist ein Wesen mit widersprüchlichen Potenzialen. In ihm liegen Empathie und Aggression, Fürsorge und Grausamkeit, Mut und Feigheit. Das Böse ist keine Seltenheit, sondern eine Möglichkeit, die immer vorhanden ist – aber nicht zwangsläufig realisiert werden muss. Es hängt von Bindungserfahrungen, von Strukturen, von Stress, von Narrativen ab, welche Seite sich durchsetzt. In diesem Sinn ist das Böse weniger Wesensbeschreibung als Gefahrbeschreibung.


Gestalten des Bösen: vier Modi, drei Ebenen

Um das Böse greifbarer zu machen, hilft es, nicht von „dem einen Bösen“ zu sprechen, sondern zwischen verschiedenen Erscheinungsformen zu unterscheiden. Ich denke dabei an eine Art Koordinatensystem: Auf der einen Achse steht die Frage nach der Intention – wie sehr will jemand schädigen? –, auf der anderen die nach der Bewusstheit – wie klar ist jemand, was er tut? Daraus ergeben sich vier typische Modi.

Da ist zunächst das unbeabsichtigte, unbewusste Leid. Niemand steht morgens auf und sagt: „Heute möchte ich jemanden ruinieren.“ Und doch werden an Bürokratie-Schreibtischen Entscheidungen getroffen, die Menschen entwurzeln, in den Tod treiben, in jahrelange Höllen. Eine Sachbearbeiterin, die eine Frist nicht verlängert; eine Lehrerin, die ein gemobbtes Kind übersieht, weil sie selbst am Limit ist. Hannah Arendt hat diese Form einmal „Banalität des Bösen“ genannt: nicht banal, weil die Folgen harmlos wären, sondern weil die Beteiligten sich nicht als Täter erleben. Sie funktionieren. Sie tun, was „dran ist“. Das System belohnt nicht Reflexion, sondern Effizienz. In dieser Gestalt wirkt das Böse durch Routine, durch gedankenloses Abarbeiten, durch institutionalisierte Gleichgültigkeit. Es braucht keine Monster. Es reichen Menschen, die müde sind, überfordert, abgestumpft.

Daneben existiert das instrumentelle Böse. Hier ist sehr wohl bewusst, dass Schaden entsteht; er wird aber als Preis für einen Zweck akzeptiert oder sogar einkalkuliert. Wer im Krieg zivile Opfer als „Kollateralschäden“ verbucht, weiß, was er tut. Menschen werden in dieser Logik zu Mitteln, Materialien, Zahlen. Sie verlieren ihren Eigenwert. Das Böse erscheint hier als kalte Rationalität: zielorientiert, effizient, sauber begründet – und tödlich. Es ist die Sprache der Kosten-Nutzen-Rechnung, in der das Leiden Einzelner verschwindet, solange das große Ziel erreicht wird. Das Perfide daran ist, dass es sich selbst für vernünftig hält.

Es gibt eine dritte Form, die ich das verzweifelte oder affektive Böse nennen würde. Die Beteiligten wissen durchaus, dass sie sich und anderen schaden, spüren aber subjektiv kaum eine Alternative. Ein Mensch in der Sucht, der den nächsten Konsum holt, obwohl er sein Leben ruiniert; jemand, der sich ritzt, hungert, sich in gefährliche Konstellationen wirft – sie alle spüren den Schaden sehr wohl und erleben den Schmerz gleichzeitig als einzige Möglichkeit, etwas in sich zu regulieren. Hier ist das Böse keine fremde Macht, die von außen kommt, sondern eine innere Zwangsläufigkeit, die aus Trauma, aus unerträglicher Spannung, aus dem Gefühl entsteht, keine andere Wahl zu haben. Die Grenze zwischen Opfer und Täter verschwimmt, weil jemand zugleich unter dem leidet, was er tut, und es doch nicht lassen kann.

Und dann gibt es, selten, aber real, den malignen Sadismus: jene Form des Bösen, in der Zerstörung selbst Ziel und Quelle von Lust wird. Menschen, die andere bewusst brechen wollen; die Erniedrigung genießen; die Vernichtung planen. Es sind nicht viele – aber es wäre naiv, diese Möglichkeit nur als mediale Übertreibung zu betrachten. Hier wird das Leiden des anderen zum eigenen Gewinn umgemünzt. Das ist das Böse in seiner klarsten, konzentriertesten Form: ein bewusster Wille zur Vernichtung. Erklärungen können wichtig sein, um Wiederholung zu verhindern. Sie dürfen Verantwortung nicht liquidieren.

Alle vier Modi bewegen sich auf drei Ebenen: in uns selbst, zwischen uns, über uns in Systemen.

Intrapsychisch wirkt der Schatten, von dem Jung spricht: all jene Anteile, die wir nicht sehen oder sehen wollen – Aggression, Lust an Kontrolle, Neid, Feigheit. Je stärker wir sie verdrängen, desto unkontrollierter brechen sie an anderer Stelle hervor. Albert Bandura hat gezeigt, wie wir über Sprache und Umdeutung unsere eigene Verantwortung verschieben: Aus „töten“ wird „neutralisieren“, aus „Folter“ wird „verschärfte Verhörtechnik“. Wir vergleichen uns mit Schlimmerem, verteilen Verantwortung so breit, dass niemand mehr haftet, dehumanisieren die Betroffenen. All das sind kognitive Mechanismen, die es uns erlauben, das Böse zu tun, ohne uns böse zu fühlen.

Auf interpersoneller Ebene manifestiert sich das Böse in Machtmissbrauch, emotionaler Manipulation, Gaslighting, Vernachlässigung. In Beziehungen, in denen eine Person systematisch die Realität der anderen leugnet, bis diese an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifelt. In Familien, in denen Liebe nur als Belohnung für Gehorsam existiert. Das Böse auf dieser Ebene ist oft schleichend. Es sickert ein, Tropfen für Tropfen, bis das Fundament morsch ist.

Emmanuel Levinas würde sagen: Das Böse beginnt dort, wo das Gesicht des Anderen nicht mehr als Ruf, sondern als Störung erlebt wird. Für ihn ist das „Du sollst nicht töten“ kein nachträgliches Gebot, sondern der erste Eindruck, den das Antlitz des Anderen auf mich macht: Da ist jemand, der mich verpflichtet. In missbräuchlichen Beziehungen wird genau dieser Ruf systematisch übertönt. Das Gegenüber wird nicht mehr als eigenständiges Subjekt wahrgenommen, sondern als Funktion: Trostspender, Projektionsfläche, Besitz. Das Böse ist hier nicht zuerst die große Tat, sondern die Entscheidung, diesen stillen Anspruch des Anderen nicht mehr hören zu wollen.

Und strukturell wirkt das Böse dort, wo Anreizsysteme Entmenschlichung belohnen, wo Intransparenz herrscht, wo Opfer keine Stimme haben und Täter geschützt werden. In einem Gesundheitssystem, das Pfleger*innen so lange ausbeutet, bis sie zusammenbrechen, ist das System selbst der Täter. In einer Wirtschaft, die Lieferketten auf Ausbeutung baut, ist die Struktur das Problem. In einer Politik, die Lobbying hinter verschlossenen Türen erlaubt und dann von Transparenz spricht, ist die Architektur korrupt. Das Böse braucht hier keine einzelnen Bösewichte. Es genügt, dass die Regeln falsch gesetzt sind.


Warum „Gute“ anders zerbrechen

Wenn ich auf Lebensgeschichten schaue, fällt mir immer wieder auf, dass Menschen, die man als „gut“ bezeichnen würde – empathisch, idealistisch, hilfsbereit –, oft besonders schwer verletzt sind. Das ist kein metaphysisches Gesetz, sondern eine nüchterne Beobachtung über Mechanik.

Wer vertraut, gibt Angriffsfläche. Wer offen ist, macht sich verwundbar. Täter suchen ihre Opfer nicht willkürlich aus, sondern dort, wo sie am wenigsten Widerstand erwarten: bei Kindern, bei Menschen mit geringem Selbstwert, bei denen, die gelernt haben, sich anzupassen. Systeme, die ausbeuten, zielen auf jene, die keine Lobby haben: Arme, Kranke, Alte, Geflüchtete, Menschen ohne Netz. Güte, die nicht durch Grenzen geschützt ist, wird ausgenutzt. Das ist nicht gerecht. Das ist nicht fair. Aber es ist, wie es ist.

Frühe Traumatisierungen tun ihr Übriges. Bindungstrauma hinterlässt nicht nur Wunden, sondern verändert die innere Ökonomie: Dissoziation wird zur Standardabwehr, Selbstabwertung zur inneren Stimme, Sucht zur naheliegenden Regulierung. In dieser Konstellation wächst die Wahrscheinlichkeit, immer wieder in Situationen zu geraten, in denen andere Macht über einen bekommen. Das Böse trifft einen dann nicht, weil man „falsch“ wäre, sondern weil man nicht geschützt wurde. Das ist eine Trauma-Ökonomie: Je früher und massiver die Verletzung, desto geringer die Ressourcen für Abwehr im späteren Leben.

Eine besondere Form der Zerstörung ist das, was man „Moral Injury“ nennt: moralische Verletzung. Sie entsteht, wenn Menschen Zeugen von Unrecht werden, nichts tun können oder sich – freiwillig oder gezwungen – an etwas beteiligen, das ihren eigenen Werten widerspricht. Soldaten, die Massaker mitansehen; Pflegekräfte, die Patient*innen sterben sehen, weil die Mittel fehlen; Kinder, die Gewalt in der Familie mitbekommen, ohne eingreifen zu können. Die Welt wird dadurch nicht nur gefährlich, sondern sinnlos. Man verliert nicht nur Vertrauen in andere, sondern in sich selbst. Diese Form der Verletzung zerstört nicht nur Sicherheit, sondern Kohärenz. Sie macht die eigene Biografie unverständlich.

Und schließlich gibt es die Erschöpfung. Menschen, die lange gegen das Böse kämpfen – Aktivist*innen, Helfende, Betroffene –, können irgendwann in einen Zustand rutschen, in dem nichts mehr sie erreicht. Zynismus wird zur Rüstung. Sie haben so oft gesehen, dass das Richtige nicht passiert, dass Täter davonkommen, dass Opfer vergessen werden. Hier hat das Böse eine besonders perfide Form angenommen: Es hat aus Empathie Gleichgültigkeit gemacht, aus Engagement Resignation. Das ist nicht Schwäche. Das ist ein Überlebensmechanismus, der toxisch wird.

Wer das ernst nimmt, hört auf, sich das Bild des „Guten“ zu leisten, der einfach tun muss, „was richtig ist“. Moral ist keine Ressource ohne Ende. Sie braucht Pflege, Schutz, Gemeinschaft. Sie braucht Strukturen, die sie tragen, nicht Appelle, die sie einfordern.


Wie das Böse im Alltag aussieht

Man muss nicht in Kriegsgebiete oder in Gefängnisse schauen, um dem Bösen zu begegnen. Es sitzt im Wohnzimmer, im Büro, in der Amtsstube, im Spiegel.

In Beziehungen zeigt es sich manchmal laut – in Schlägen, in sexueller Gewalt, in offenem Terror. Häufiger ist es leise. Es versteckt sich in Gleichgültigkeit: in Eltern, die ihre Kinder zwar versorgen, aber innerlich nicht erreichbar sind; in Partnern, die Nähe nur als Belohnung einsetzen. Ein Kind, das lernt, dass seine Gefühle unwichtig sind, dass seine Bedürfnisse stören, dass es nur dann geliebt wird, wenn es leise ist, trägt diese Botschaft ein Leben lang mit sich. Das ist keine spektakuläre Gewalt. Es ist Vernachlässigung als schleichende Form der Auslöschung.

Es zeigt sich in Gaslighting: „Das bildest du dir ein“, „So schlimm war das nicht“, „An dir liegt es, dass es mir so schlecht geht.“ Nach und nach verliert der Mensch, der dem ausgesetzt ist, das Vertrauen in seine Wahrnehmung. Das Böse arbeitet hier nicht mit spektakulären Ereignissen, sondern mit langsamer Erosion. Es höhlt aus, Tropfen für Tropfen, bis das Fundament bröckelt.

Es zeigt sich in Machtdynamiken, in denen eine Person systematisch abhängig gehalten wird: finanziell, emotional, sozial. In Beziehungen, in denen Isolation als Liebesbeweis verkauft wird: „Ich brauche dich ganz für mich.“

In Organisationen hat das Böse oft die Form von Strukturen. In einem Krankenhaus, in dem Pfleger*innen dauerhaft überlastet sind, sterben Menschen nicht, weil jemand sie töten möchte, sondern weil das System sie verschleißt. In Unternehmen, in denen alles dem Profit untergeordnet wird, sind Unfälle, Ausbeutung, Burnout erwartbare Folge. Wenn Sicherheitsstandards gesenkt werden, weil sie „zu teuer“ sind, wenn Beschwerden ignoriert werden, weil „es immer Unzufriedene gibt“ – dann ist das System selbst der Täter.

Und wo es keine funktionierenden Beschwerdekanäle gibt, wo Whistleblower mundtot gemacht werden, wo Hierarchien unangreifbar sind, wird das Böse nicht nur geduldet, sondern eingebaut. Wer dann auf Missstände hinweist, gilt nicht als mutig, sondern als Störenfried. Das Böse schützt sich selbst, indem es diejenigen bestraft, die es benennen.

Politisch und gesellschaftlich wird es dort sichtbar, wo ganze Gruppen entmenschlicht werden: wenn Geflüchtete zu „Flut“, Menschen anderer Herkunft zu „Problem“, Obdachlose zu „Dreck“ erklärt werden. Sprache bereitet den Boden. Wer andere konsequent als Bedrohung, Last oder „Schädlinge“ beschreibt, macht Gewalt gegen sie denkbar und irgendwann wahrscheinlich.

Und in uns selbst? Da nimmt das Böse manchmal die Form der Abstumpfung an. Der Moment, in dem man einen Menschen leiden sieht und sich bewusst entscheidet, wegzusehen. Die Nachricht, die man nicht öffnet, weil man schon ahnt, dass dort jemand Hilfe braucht. Das ist nicht spektakulär. Es ist die alltägliche Kälte, mit der wir uns selbst schützen – und dabei manchmal andere im Stich lassen.

Oder die Form des Angriffs auf sich selbst: die innere Stimme, die ununterbrochen sagt, man sei nichts wert; das Verhalten, das den eigenen Körper langsam zerstört. Hier wird das Böse nach innen gewendet. Es nimmt die Form von Selbsthass an, von Selbstsabotage, von der leisen Überzeugung, man habe es nicht anders verdient. Das ist keine Metapher. Es ist eine reale Kraft, die Menschen in den Suizid treibt, in die Sucht, in die Selbstverletzung.


Was folgt daraus? Gegenkräfte gestalten, nicht moralisieren

Wenn das Böse ein Mechanismus ist, der sich durch Mangel, verdrängte Anteile, Machtgefüge und Strukturen entfaltet, dann brauchen seine Gegenkräfte ebenfalls eine mechanische, praktische Form. Es reicht nicht, zu sagen: „Wir brauchen mehr Liebe.“ Liebe allein, ohne Rahmen, verbrennt. Was folgt, sind keine Tugendappelle, sondern Design-Entscheidungen: Wie bauen wir Systeme, Beziehungen, innere Strukturen, die das Böse nicht einladen?

Auf der persönlichen Ebene heißt das: Bindung zu sich selbst aufzubauen, wo früher Fragmentierung war. Das meint keine Selbstoptimierung, sondern eine Art Selbstvertrag: Ich sorge dafür, dass ich schlafe, esse, meinen Körper spüre. Rituale, die nichts Heroisches haben – zur selben Zeit aufstehen, zur selben Zeit zur Ruhe kommen, bestimmte Räume meiden, bestimmte Menschen bewusst nicht mehr treffen –, können zu kleinen Dämmen gegen die Überflutung werden. Das klingt banal. Es ist aber oft der Unterschied zwischen Überleben und Zusammenbruch.

Es bedeutet, sich den eigenen Schattenanteilen zuzuwenden, statt sie wegzudrücken. Zu fragen: Wo suche ich Macht? Wo suche ich Bestätigung um jeden Preis? Wo helfe ich anderen, um mich nicht mit mir selbst beschäftigen zu müssen? Diese Fragen tun weh, aber sie machen handlungsfähig. Solange ich glaube, ich sei nur Opfer oder nur „der Gute“, stehe ich dem Bösen in mir offen gegenüber.

Und es bedeutet, in Momenten akuter Selbstzerstörung Strukturen zu haben, die greifen. Die HALT-Regel aus der Suchttherapie ist so etwas: Vor einem Impuls kurz prüfen, ob man hungry, angry, lonely, tired ist. Oft ist es nicht „Ich will das wirklich“, sondern „Ich halte das nicht mehr aus“. Oder die 24-Stunden-Regel: Bei einem akuten Impuls zur Selbstschädigung erst 24 Stunden warten, den Ort wechseln, eine Person anrufen. Oft reicht das, um den schlimmsten Moment zu überstehen.

Auf der zwischenmenschlichen Ebene geht es um klare Grenzen und klare Absprachen. Eine Beziehung, in der alles diffus bleibt – Erwartungen, Geld, Nähe, Distanz –, ist ein idealer Nährboden für Missbrauch. Konkrete Sätze wie „Ich leihe dir Geld nur unter diesen Bedingungen“ oder „Ich beende ein Gespräch, wenn du schreist“ sind keine Härte, sondern Selbstschutz.

Konfliktmuster, in denen auf Verletzung jedes Mal mit Rückzug oder Bestrafung reagiert wird, können durch Vereinbarungen ersetzt werden: Stop–Reset–Repair. Jemand sagt „Stop“ – sofort Pause. Dann Abstand, runterkommen. Dann ein Gespräch: Was ist passiert? Was brauchst du? Wie geht’s weiter?

Und es bedeutet: No Contact als legitimes Werkzeug anzuerkennen. Wenn eine Beziehung dich systematisch zerstört, wenn jemand immer wieder Grenzen überschreitet – dann ist der Kontaktabbruch keine Härte, sondern Selbsterhaltung. Es gibt kein moralisches Gesetz, das sagt, du müssest jede Beziehung erhalten, nur weil sie mal da war.

Institutionen wiederum können das Böse nicht aus der Welt schaffen, aber sie können es schwerer machen. Man kann Macht teilen: Jobrotation, Vier-Augen-Prinzip, Checks and Balances. Man kann Entscheidungen dokumentieren: Protokolle, öffentliche Begründungen, Transparenz als Standard. Man kann Schutzräume für Menschen schaffen, die Missstände melden: unabhängige Whistleblower-Strukturen, Anti-Retaliation-Policies mit echten Konsequenzen.

Man kann Erfolg nicht nur als Zahl definieren, sondern an der Frage messen, wie es denen geht, die im System am wenigsten Stimme haben. Wenn ein Krankenhaus seine Leistung nur an behandelten Fällen misst, nicht aber an der Gesundheit des Personals, ist das System defekt. KPIs müssen Menschen-Outcomes einbeziehen, sonst werden sie zu Werkzeugen der Entmenschlichung.

Hans Jonas hat das im „Prinzip Verantwortung“ radikal zugespitzt: In einer technisch hochgerüsteten Welt, in der Entscheidungen Auswirkungen auf Milliarden Menschen und kommende Generationen haben, reicht eine Ethik der unmittelbaren Nähe nicht mehr. Verantwortung heißt, die Verletzlichkeit der Abwesenden mitzudenken – jener, die noch nicht geboren sind, am Rand von Lieferketten leben oder schlicht keine Lobby besitzen. Strukturen, die nur das Hier und Heute optimieren, werden so selbst zu Trägern des Bösen, weil sie das Leid, das sie zeitlich oder räumlich auslagern, gar nicht mehr sehen müssen.

Und auf der kulturellen Ebene bedeutet ein ernst genommener Widerstand gegen das Böse, Dehumanisierung nicht durchgehen zu lassen – weder am Stammtisch noch in Talkshows noch in den eigenen Gedanken. Eine Gesellschaft, die es hinnimmt, dass Menschen nur noch als „Kostenfaktor“, „Problemgruppe“ oder „Schmarotzer“ bezeichnet werden, öffnet Türen, von denen sie glaubt, sie würden nie wieder zugehen. Die Geschichte zeigt: Sie gehen auf. Schneller, als man denkt.

Es geht nicht darum, eine perfekte Welt zu entwerfen. Es geht darum, in einer unvollkommenen Welt bewusst zu entscheiden, welche Strukturen wir schaffen und welche Geschichten wir erzählen. Welche Sprache wir dulden. Welche Verhaltensweisen wir belohnen. Wen wir schützen und wen wir zur Rechenschaft ziehen.


Grenzen der Analyse

Auch die beste Kartierung des Bösen kann selbst schief werden. Es gibt Fallstricke, die ich nicht verschweigen will.

Die erste ist die moralische Nivellierung. Wer betont, dass alle anfällig sind, kann dazu verleitet sein zu sagen, alle seien im Grunde gleich verantwortlich. Das stimmt nicht. Die Frau, die als Kind missbraucht wurde und später in einer destruktiven Beziehung bleibt, befindet sich nicht auf derselben moralischen Ebene wie der Mann, der sie schlägt. Kontext ist nicht Entschuldigung, aber er ist Erklärung. Und er verschiebt die Gewichte.

Die zweite ist die Opferbeschuldigung. Wenn wir erklären können, warum manche Menschen immer wieder in destruktive Konstellationen geraten, besteht die Gefahr, dass wir diese Erklärung in eine Schuldumkehr verwandeln. „Warum hast du dich in so jemanden verliebt?“ ist, isoliert gestellt, eine brutale Frage. „Warum hat er dich missbraucht?“ ist die angemessenere. Die Kausalität, die zur Vulnerabilität führt, ist real. Aber sie begründet keine Mitverantwortung.

Die dritte ist der spirituelle Bypass: die Versuchung, alles Leid sofort in moralische oder spirituelle Lektionen zu verwandeln. „Du musst vergeben“, „Du musst loslassen“, „Du darfst nicht hassen“ – all diese Sätze können richtig sein, aber in der falschen Situation sind sie eine Fortsetzung des Bösen: Sie nehmen Betroffenen das Recht, wütend zu sein und Grenzen zu ziehen. Viktor Frankls Satz vom „Raum zwischen Reiz und Reaktion“ ist real – aber dieser Raum ist für Traumatisierte enger. Interventionen müssen diesen Raum vergrößern, nicht moralisch einfordern, als wäre er schon da.

Die vierte ist der Determinismus. Wer die Macht von Strukturen, Traumata, Gruppendynamiken ernst nimmt, kann leicht in die Vorstellung rutschen, niemand sei für irgendetwas verantwortlich. Das stimmt ebenso wenig wie die Idee vom völlig freien Willen. Es gibt Konstellationen, in denen Entscheidungsspielräume extrem klein werden. Aber sie verschwinden meist nicht vollständig. Verantwortung ist graduell, kontextabhängig, aber nicht beliebig.

Wer Macht hat, trägt mehr.
Wer Wissen hat, trägt mehr.
Wer Optionen hat, trägt mehr.

Das ist keine Anklage, sondern Realismus.


Schreiben als Antwort

Für mich ist Schreiben eine Art, dem Bösen zu antworten. Nicht als Theorie, sondern als Spurensicherung: festhalten, was es angerichtet hat, ohne es größer zu machen, als es ist – und ohne so zu tun, als wäre es harmlos. Das Böse hat meine Biografie nicht am Rand gestreift; es zieht sich durch Kindheit, Sucht, Gewalt, durch Nächte, in denen ich nicht wusste, ob es für mich noch einen Morgen geben soll.

Wenn ich über das Böse schreibe, tue ich das auch, weil ich weiß, dass andere an ähnlichen Punkten waren oder gerade dort sitzen. Für diese Menschen sind Sätze wie „Das Leben ist schön“ oder „Alles hat einen Sinn“ nicht nur nutzlos, sondern manchmal zynisch. Sie brauchen eine Sprache, die anerkennt, was zerstört wurde, und trotzdem nicht beim Zerstörten stehenbleibt.

Das Gute ist in diesem Sinn keine sterile Abwesenheit von Bösem, sondern eine Antwort darauf. Keine Heiligkeit, sondern eine Entscheidung, die immer wieder neu getroffen werden muss: sich nicht vollständig von dem bestimmen zu lassen, was einen verletzt hat. Hinzuschauen, wo es weh tut – und nicht vollständig zu versteinern. Wenn ich irgendwo Hoffnung finde, dann in dieser störrischen Bewegung, die sagt: Ich bin noch da.

Schreiben ist für mich eine Form dieser Bewegung. Kein Held*innenepos, sondern ein Protokoll: Es war schlimm, es ist manchmal noch schlimm – und ich lebe trotzdem. Jedes Wort ist dann weniger Beweis von Stärke als von Überleben. Es zeigt jemandem, der sich allein fühlt, dass es andere gibt, die ähnliche Räume kennen und sie benennen, ohne sie kleinzureden.

Das Böse ist parasitär; es braucht Lebendiges, um sich festzusetzen. Genau darin steckt auch eine Möglichkeit. Wo noch etwas lebt, ist Widerstand möglich. Meistens nicht heroisch, eher brüchig, müde, widersprüchlich – aber möglich.

Das Böse ist ein Mangel, der sich Wirkung leiht. Leben ist mehr als dieser Mangel. Es ist die Kraft, die trotzdem weitermacht. Die trotzdem liebt. Die sich ein zweites, drittes, zehntes Mal auf etwas einlässt, obwohl sie weiß, wie sehr Vertrauen weh tun kann.

Am Ende einer Biografie, einer Beziehung, einer Gesellschaft steht vielleicht die Frage: Was war stärker – das, was zerstört hat, oder das, was sich ihm entgegengestellt hat? Die Antwort fällt nicht in einem einzigen dramatischen Moment. Sie entsteht in tausend kleinen: in der Entscheidung, heute nicht aufzugeben; jemandem zuzuhören; eine Grenze zu ziehen.

Das Böse zerstört gute wie weniger gute Menschen – in dem Sinn, dass niemand außerhalb seiner Reichweite steht. Aber es bekommt uns nicht immer ganz. Es bleibt fast immer ein Rest. Ein Funke. Eine Möglichkeit.

Die Geschichte hört dort nicht auf. Sie fängt dort an.

Texte, die bleiben. Über das, was uns trägt, was uns bricht – und was dazwischen liegt.

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